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Für Gál kam der entscheidende Durchbruch mit dem großen Erfolg seiner zweiten Oper, Die Heilige Ente (Op.15), einer lyrisch-komischen Oper im chinesischen Milieu, die 1923 in Düsseldorf unter Georg Szell uraufgeführt und von der Universal Edition als sein Op.15 veröffentlicht wurde. Sie wurde dann von weiteren sechs Theatern sofort aufgenommen und während der nächsten zehn Jahre mit nachhaltigem Erfolg an etwa zwanzig Bühnen gespielt, darunter Breslau, Weimar, Aachen, Chemnitz, Kassel, Königsberg, Prag und Berlin. Sie wurde auch im Jahr 1929 als erste moderne Oper von Radio Wien produziert. Die Hauptrolle wurde bei vielen Aufführungen vom bekannten Opernsänger Josef Witt gespielt. Das Werk war bis 1933 im Spielplan der deutschen Opernhäuser, aber dann hörte sein langer Lauf plötzlich auf, als Folge der politischen Situation. Die Heilige Ente war Gáls erste Zusammenarbeit mit dem Textdichter Karl Michael von Levetzow, von dem Richard Strauss gesagt hatte: "Hätte ich nicht Hofmannsthal gefunden, so hätte ich gerne mit Levetzow gearbeitet" [zitiert nach Waldstein, op. cit., S.40]. Von Levetzow wird noch unten die Rede sein.

Gáls Aufsatz 'Zum Problem der Komischen Oper' von 1927 erwähnt zwar gar nicht seine eigenen Opern, ist aber besonders aufschlussreich über sein Verhältnis zum textlichen Stoff und ließe sich gänzlich auf seine Heilige Ente beziehen:

"Die komische Oper hat nun einmal (von dem veristischen Mittel einer spannenden, brutal nervenaufpeitschenden Handlung kann sie naturgemäß keinen Gebrauch machen) nur dann eine echte Wirkungsmöglichkeit, wenn sie auch imstande ist, eine starke gefühlsmäßige Reagenz hervorzurufen. Das muss die heitere wie die ernste vermögen. Dazu braucht sie - die binsenste aller Binsenwahrheiten! - Musik. Wirkliche, empfundene und erfundene, gesungene und beseelte Musik! Und nun kommt das schöpferische Geheimnis des dramatisch empfindenden Musikers: er braucht unbedingt einen ihn innerlich ergreifenden Stoff, um Ergreifendes produzieren zu können... Eines scheint mir klar: was im Künstler, gerade wenn er wirklich einer ist, Schaffensenergien auslösen kann, wird - vom Gebiet der komischen Oper gesprochen - keine alberne Posse und keine noch so gescheite, witzige Parodie sein, sondern nur eine echte, tiefere menschliche Motive behandelnde Charakterkomödie. Im Menschlichen steckt der Kern aller echten Musikdramatik..." [ Musikblätter des Anbruch IX, Heft 1/2, S.91-2, 1927]

Die Oper behandelt tatsächlich menschliche Charakter; manchmal grenzt sie an das Tragische, aber sie enthält auch Humor. Mit Göttern, einem Mandarin, einem einfachen Kuli, Opium, Identitätswechsel und nicht zuletzt einer Ente bot sie der schaffenden Einbildungskraft Gáls vollen Spielraum, vom Zarten und Ausdrucksvollen bis zum Ironisch-Humoristischen, und das Ganze mit einem orientalischen Schlag. Sie war auf der Bühne äußerst wirksam. Die Heilige Ente, wurzelnd in der Tradition der deutschen komischen Oper, wurde von Paul Nettl als "ein neuer Höhepunkt der Entwicklungsreihe Lortzing-Nicolai-Cornelius-Götz" begrüßt [zitiert nach Waldstein, op. cit., S.41].

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Die Heilige Ente
'Die Heilige Ente' - Collage
Die Heilige Ente
'Die Heilige Ente' - Mainz
 
'Die Heilige Ente' - Mainz
Die Heilige Ente
'Die Heilige Ente' - Mainz
Josef Witt
Josef Witt als Kuli Yang
Die Heilige Ente
'Die Heilige Ente'
Köln 2003
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© Copyright Anthony Fox & Eva Fox-Gál, York 2001