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ChronologyZeittafel

Wenn Gál dem Krieg irgend etwas verdankte, so war es der erzwungene Abstand zu seinem eigenen Frühwerk, der ihm die kritische Distanz ermöglichte, später nur das zu veröffentlichen, wovon er auch dann noch überzeugt war. Das galt nur einem Bruchteil der vorhandenen Kompositionen aus der Zeit vor 1918; zu diesen Auserwählten aber bekannte er sich noch im hohen Alter. Seine vor seinem dreißigsten Lebensjahr komponierten Werke weisen zwar oft nur in einzelnen Zügen auf das Gesicht des späteren, charakteristischeren Gál, aber gemeinsam ist ihnen allen eine schwungvolle Frische und Ursprünglichkeit, wie auch ein sehr früh entwickelter Sinn für Form und Klarheit.

Mit dem Ende des Kriegs begann der Wiederaufbau seiner Musikerexistenz in Wien. Das nächste Jahrzehnt war wohl für seine kompositorische Entwicklung, wie auch für seine Rezeption, ausschlaggebend, und sein eigener Stil wurde weitgehend in dieser Zeit geprägt. Aber angesichts der politischen und materiellen Nachkriegsnot Österreichs - und darüber hinaus der galoppierenden Inflation, die im Jahre 1922 den Geldwert auf etwa ein Vierzehntausendstel reduzierte - waren die Verhältnisse für den jungen Komponisten zunächst äußerst schwierig und kräftezehrend. Im Jahr 1919 wurde ihm der Rotschildpreis verliehen, und er wurde als 'Lektor' für Musiktheorie an der Universität Wien angestellt. Die Stelle war unbesoldet, und er mußte noch ein Jahr warten, bis er einen Lehrauftrag, mit bescheidenem Gehalt, für Harmonie, Kontrapunkt, Formenlehre und Instrumentation erhielt, dieselbe Stelle, die einstmals Bruckner innegehabt hatte. Er trat auch zunehmend als Musizierender, vor allem bei Kammermusik, auf.

Einen bedeutenden finanziellen Beitrag brachte auch, abgesehen vom Privatunterricht, seine Tätigkeit an der Neuen Wiener Bühne, wo er für die Schauspiele passende Musik zu versorgen hatte. Hier war es, dass er Karl Michael von Levetzow (1871-1945) kennenlernte, der für alle späteren Opern die Texte schreiben sollte. Gál schrieb die Musik zu Levetzows Stück Ruth, das am Theater aufgeführt wurde. Später erschien diese Musik als Suite, die von den Wiener Philharmonikern gespielt wurde, aber dann wurde sie schließlich, wie so viele andere Werke, vom Komponisten abgelehnt und 'weggelegt'. Erst 1924, nach dem phänomenalen Erfolg der Heiligen Ente (s. unten), schloss er einen exklusiven Vertrag mit dem Verleger Simrock ab, der ihm finanzielle Sicherheit gewährte.

Insgesamt brachte der kulturelle Aufschwung der zwanziger Jahre in Deutschland für Gál eine Periode rapiden Aufstiegs. Verleger umwarben ihn, und es gab Aufführungen aller seiner Werke. Er lebte und arbeitete weiter in Wien, aber er fand hauptsächlich in Deutschland zunehmend Wirkungsmöglichkeiten. Er reiste oft dorthin, um Aufführungen seiner Werke beizuwohnen.

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Levetzow
Karl Michael von Levetzow
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© Copyright Anthony Fox & Eva Fox-Gál, York 2001