Das Hauptwerk
aus der Kriegszeit ist die komische Oper Der
Arzt der Sobeide, zu einem Text von Fritz Zoref. Es stammt aus
den Felddienstjahren, während Gál (Winter 1917-18) hoch
in den Karpathen mit einer Baukompagnie eine Bergbahn zu errichten hatte.
Danach wurde es in Italien zu Ende geschrieben und - als einzige Kriegstrophäe
- unversehrt heimgebracht. Es
erschien bereits 1919 als sein Opus 4 und kam am 2. November des selben
Jahres im Breslauer Stadttheater unter dem Dirigenten Julius Prüwer
zur erfolgreichen Uraufführung.
Waldstein
charakterisiert diese im christlich-maurischen Granada des 16. Jahrhunderts
spielende Oper als "ein Mantel- und Degenstück mit einigem
poetischen Einschlag aus Tausendundeiner Nacht" und schildert einige
Anziehungspunkte eines solchen Stoffes für den Komponisten:
"Für
Gál mag die Frohlaune, die Buntheit der Situationen und gewiss
auch das Lokalkolorit bestimmend gewesen sein, die Anregung zu schlanker
Lyrik, zu Fandangorhythmen, zur graziösen Mischung südlicher
Sinnenfreude und ironischen Heldentons". [Wilhelm Waldstein:
Hans Gál: eine Studie . Wien: Elisabeth Lafite, 1965.
S.22.]
Einige
Eigenschaften dieser Oper charakterisieren auch seine letzten Bühnenwerke:
die rein vokalischen Teile sind nur leicht orchestriert, um die Stimmen
durchkommen zu lassen, aber die orchestralen Intermezzi werden viel
freier behandelt; sie könnten unabhängig gespielt werden -
und wurden es tatsächlich. Das Werk ist, wie auch seine letzte
Oper Die Beiden Klaas, eine 'Nummern-Oper', die aus einer Reihe
einzelner Stücke besteht. Die melodische Linien werden frei entwickelt,
mit vielen Einfügungen.
Die
Uraufführung brachte dem jungen Gál höchste Anerkennung.
Folgendes Beispiel gibt einen repräsentativen Eindruck der damaligen
Aufnahme:
"Es finden
sich hier alle Vorzüge vereint, die den Meister seines Faches
verraten. Ein verschwenderischer Reichtum an melodischen Einfällen
durchzieht das ganze Werk, mit besonderem Nachdruck natürlich
die lyrischen Episoden unterstreichend und steigernd, getragen von
einer freien, aber immer trotz aller Kühnheiten sich wie ungezwungen
einstellenden Harmonik. Ganz besonders glücklich scheint das
Gefühl für einen belebenden, keine tote Stellen aufkommen
lassenden Rhythmus entwickelt. Hinter dem natürlichen Fluss der
Stimmen, namentlich der wirklich gesangsmäßig geführten
Singstimmen, verbirgt sich eine wie selbstverständlich anmutende,
reife, satztechnische Kunst..." [Georg Jensch: Volkswacht]