Bis zum
Ausbruch des ersten Weltkriegs hatte sich Gáls Karriere bereits
ausnehmend gut angelassen, mit erfolgreichen Aufführungen seiner
Werke, nicht nur in Österreich sondern auch weiter weg in Deutschland.
Der Krieg war eine unwillkommene Unterbrechung, die selbstverständlich
alles - zumindest auf Jahre - zunichte machte. 1915 wurde er in die
Armee eingezogen, zunächst nach Serbien. Sein Kriegsdienst scheint
aber nicht allzu aktiv gewesen zu sein, denn der Strom seiner Kompositionen
ließ nicht nach. Rettend bewährte sich in dieser Zeit, wie
auch später im Leben, seine durch enge häusliche Verhältnisse
von Jugend auf entwickelte Fähigkeit, jegliche Störung der
Außenwelt einfach auszuschalten und sich ganz auf seine eigene
Arbeit zu konzentrieren. So entstanden in diesen zerrissenen Jahren
dennoch einige Werke von Bedeutung: die Kantate Vom
Bäumlein, das andere Blätter hat gewollt aus dem
Jahre 1916, für Altsolo, sechsstimmigen Damenchor und kleines Orchester,
die gleich als sein Op.2 veröffentlicht wurde. Seine Erlebnisse
in Belgrad, wo er in den Kaffeehäusern Volkslieder zu hören
bekam, bildeten die Grundlage seiner 1916 in Belgrad geschriebenen
Serbischen Weisen
für Klavier zu vier Händen, die erst nach dem Krieg im Druck
erschienen (Op.3), aber dann in kurzer Zeit ihrer Popularität halber
in mancherlei Kaffeehausbesetzungen kursierten, die es dem Komponisten
unumgänglich machten, ihnen eine eigene Orchesterfassung entgegenzusetzen;
ein ebenfalls 1916 vollendetes Streichquartett, welches noch im selben
Jahr in Wien vom Rosé-Quartett uraufgeführt und (im Gegensatz
zu zwei früheren Streichquartetten) seiner mit reiferen Jahren
geschärften Selbstkritik weiterhin genüge tat und schließlich
1924 als sein Quartett
Nr.1 (Op.16) veröffentlicht wurde. Erwin Kroll bezeichnet
es als
"eine der
wenigen Schöpfungen neueren Datums, die wirklich etwas vom Geiste
Schubert's atmen. Schubertisch ist dieses Quartett in seiner Dur-Moll-Seligkeit,
seiner Melodienfülle, seiner pikanten Rhythmik und tänzerischen
Beschwingtheit" ['Vom Schaffen Hans Gáls', Simrock
Jahrbuch 2, 1929, S.172]
Im Herbst
1917 wurde Gál in die polnischen Karpaten, in den nordöstlichen
Teil der österreich-ungarischen Monarchie, umgesetzt. Er war mit
einer Baukompagnie, die eine Bergbahn zu errichten hatte - glücklicherweise
weit hinter der Front. Aber seine Pläne gingen noch weit über
dieses Bauvorhaben hinaus:
"Ich war
meiner schlechten Augen halber nicht mehr in der Truppe, die mit dem
Gewehr zu tun hatte. Mein Gewehr ist zu gefährlich geworden für
die eigenen Leute, mit meinen schlechten Augen. Na kurzum, ich kam
zur Verwaltungstruppe und war dort verhältnismäßig
sicher aufgehoben. Meine Hauptbeschäftigung war, eine Oper zu
schreiben." [Zitiert nach Hans Gál zum 100. Geburtstag.
Kulturdezernat der Stadt Mainz, 1986.]
Die Oper
- Der Arzt der Sobeide
- wurde ein Jahr später in Italien vollendet (s. unten).
Es war wieder kein erster Versuch; als 20-jähriger hatte er schon
eine Oper Der Fächer, nach einem Text von Goldoni, geschrieben
- und wieder 'weggelegt'. Der Schauplatz seiner letzten Kriegserlebnisse
war Südtirol. Als ihm klar wurde, dass der Krieg hoffnungslos verloren
und die Front im Zusammenbrechen war, beschloß er, ohne auf das
Kommando zu warten, mit seiner Truppe Rückzug zu machen. An der
Grenze zwischen Italien und Österreich musste er noch über
die Verkehrsmittel der Kompagnie, ein Fuhrwerk mit Pferden und Ochsen,
verfügen. Die ordungsgemäß gestempelte Quittung für
die Abgabe ist erhalten geblieben.