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In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg - die er als seine Lehrjahre betrachtete - hatte Gál eine Oper, eine Symphonie, für die er 1915 unter 78 Bewerbern den damals zum ersten Mal ausgeschriebenen 'Staatspreis für Komposition' erhielt, und andere Orchester- und Kammermusikwerke vollendet. Diese frühen Werke wurden größtenteils 'weggelegt'; selbst die preisgekrönte Symphonie wurde vor der bevorstehenden Aufführung zurückgezogen und durch eine neue Komposition ersetzt. Fast alle Werke, die in einem ganz seinen Kompositionen gewidmeten Konzert im April 1915 im Wiener Musikverein aufgeführt wurden - darunter ein Quintett for Klavier und Bläser, ein Klaviertrio, und einige Vokalwerke -, wurden nie veröffentlicht. Ein ähnliches Schicksal erlebten ein Quintett für Flöte und Streichquartet (1915 vom Rosé-Quartett aufgeführt), eine Ouvertüre zu Grillparzers Weh dem, der Lügt (1916 aufgeführt), und ein weiteres Orchesterstück, Vorspiel zu einer Tragödie, das 1917 im Konzertverein aufgeführt wurde.

Trotzdem überlebten einige Werke dieser Periode das kritische Urteil des Komponisten. Darunter sind Männerchöre und Frauenchöre aus den Jahren 1910-1911 (Op.11 und Op.12), die frühesten seiner erhaltenen Werke, und die Kantate Von ewiger Freude aus dem Jahre 1912, die ihn in weiteren Kreisen bekannt machte. Dieses Werk kam im Februar 1913 in einem Konzert bei der Gesellschaft der Musikfreunde, vom Chor Albine Mandyczewskis gesungen und von Mandyczewski selbst dirigiert, zur Uraufführung. Es wurde 1916 bei der Universal-Edition als sein Opus 1 veröffentlicht [Anm.: Eine Opuszahl gab er seinen Werken zeitlebens erst bei der Veröffentlichung, sodass die Opuszahlen nur unter den günstigsten Umständen mit der Kompositionsfolge übereinstimmen]. Der Text dieser halbstündigen Kantate ist ein deutsches Gedicht aus der Barockzeit, einer Periode, zu der er bei anderen Gelegenheiten zurückkehren sollte. Das Werk zeigt auch erstmals seine Vorliebe für Frauenstimmen, die auch in vielen späteren Werken zum Vorschein kommt.

Unter den überlebenden Instrumentalwerken dieser Periode sind die Drei Skizzen für Klavier (op. 7), 1910-11 geschrieben, die im Jahr 1914 komponierten Fünf Intermezzi für Streichquartett (Op.10), das Klavierquartett (Op.13) und die stets beliebten Variationen über eine Wiener Heurigenmelodie (Op.9), Juli 1914, knapp vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs geschrieben. Der Titel bezieht sich auf die 'Heurigen', die Wiener Weinlokale, vor allem diejenigen, die am Rand des Wienerwalds liegen, wo im November und Dezember bei Essen und Musik der neue Wein ausgeschenkt wird. Die Heiterkeit dieses Werks, das aus Variationen über eine beliebte Heurigenmelodie besteht und auch das bekannte Lied 'O, du lieber Augustin' enthüllt, spiegelt die damalige unbekümmerte Stimmung in Österreich treffend, wenn auch leicht karikierend, wider. Gál äußerte sich viel später über die Entstehung dieses Werks:

"Vor mehr als einem halben Jahrhundert trieb in den volkstümlichen Weinschenken der Wiener Vororte ein buckliger Stegreifsänger namens Ungrad sein Wesen. Für ein ihm heimlich zugestecktes Honorar mit den nötigen Informationen pflegte er zu der Melodie dieser Variationen humoristische und nicht unbedingt salonfähige Verse zu improvisieren, deren Gegenstand eine beliebige anwesende Dame war, und eine solche Huldigung in der Form einer Verulkung wurde im allgemeinen nicht übelgenommen. Das vorliegende Stück is am Tag nach einer solchen Gelegenheit entstanden, als Bussetribut an das dabei betroffene Opfer.

Das geschah im Juli 1914, zwischen dem österreichischen Ultimatum an Serbien und dem Ausbruch des ersten Weltkriegs, und ist ein dokumentarischer Beweis dafür, dass die Jugend damals den Ernst der Weltlage bei weitem unterschätzte. Die Verse des Stegreifdichters habe ich leider vergessen; aber sie dürften doch wohl kaum druckfähig gewesen sein."

Das Werk wurde erst nach dem Krieg veröffentlicht, und war sehr beliebt, wie die folgenden Rezensionen zeigen:

"Gänzlich unbeschwerte, echte Wiener Volksmusik sind Hans Gáls 'Variationen über eine Wiener Heurigenmelodie Op. 9.' Das ist der Wiener Schubert, das ist Österreich mit seiner Sangeslust und seiner Musizierfreudigkeit, die beim 'Heurigen' in gesteigerter Weise Ausdruck sucht und findet." [Breslauer Zeitung, 15.1.1925.]

Und wieder:

"Die Neuheit des Abends: 'Variationen über eine Wiener Heurigenmelodie' stellete sich als eine famose Sache heraus - Hans Gál hat damit einen Treffer zu verzeichnen" [Die Tonkunst, Berlin, 1.12.1925.]

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The Vienna Musikverein
The Vienna Musikverein
Op. 11
Op. 11
Heurigen-Variationen
Heurigen-Variationen
Albine Mandycewski
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© Copyright Anthony Fox & Eva Fox-Gál, York 2001