Homepage

Menü

Vorwärts

PDF file PDF-Version

ChronologyZeittafel

Charakteristisch für die Musik Gáls ist die bemerkenswerte Beständigkeit und Eigenständigkeit des Stils. Tief verwurzelt in der deutsch-österreichischen musikalischen Tradition, hatte er jedoch bereits in den frühen zwanziger Jahren seine eigene musikalische Sprache gefunden, der er, obwohl neuen Formen und Kombinationen stets zugewandt, treu blieb. Er hielt sich zu jeder Zeit von Modeerscheinungen und -richtungen sowohl seiner eigenen wie auch späterer Generationen fern. Die Liste seiner veröffentlichten Werke ist lang und umfaßt Kompositionen jeder Art. Kennzeichnend für alle ist aber eine Klarheit und Präzision, die von der vollkommenen Beherrschung der Materie herrührt. Seine Musik vereinigt polyphone Struktur mit fließender Melodik, freie ausdrucksvolle Lyrik mit emotionaler Zurückhaltung. Manchmal kompliziert, ist sie niemals unverständlich; oft witzig, ist sie niemals trivial; durchwegs optimistisch, ist sie nie oberflächlich.

Sein persönlicher Stil ist keinem einzelnen oder bestimmten 'Einfluß' herzuleiten, aber man kann gewisse ihm besonders gemäße Affinitäten identifizieren: darunter die Frühklassik, deren Klarheit, Plastizität und spielerischer Humor bei Gál Grundelemente sind; Brahms, dessen lyrische aber enthaltsame Romantik in ähnlicher Weise ihm wesenseigen ist; die chromatische Harmonik und erweiterte Tonalität der pre-seriellen Frühmoderne; eine Schubert-ähnliche Liebe zur Melodie; ein Kontrapunkt, der von früh auf zum Grundwesen seines Stils gehörte und ihm aus einer lebenslänglichen Beschäftigung mit J.S.Bach zur zweiten Natur wurde.

Mit der Unbeständigeit der musikalischen Mode, vor allem in den Nachkriegsjahren, ist die Musik Gáls oft mißverstanden und sogar ablassend als konservativ, als Rückfall in eine frühere Zeit abgelehnt worden. Dieser Eindruck wurde vielleicht durch sein langes Leben verstärkt: als lebender Komponist müßte er 'modern' sein. Das wäre aber eine Fehleinschätzung. Freilich hielt er an die musikalischen Werte fest, die den großen Klassikern zugrundeliegen, zu einer Zeit, wo diese Werte, wenigstens in gewissen Kreisen, aus der Mode geraten waren. Aber seine Werke liefern reichlich Beweise für die Entwicklungsmöglichkeiten der Tradition, in der er komponierte, und für seine eigene Fähigkeit, einen persönlichen Stempel auf diese Tradition aufzudrücken, indem er seinen eigenen, deutlich erkennbaren Stil und musikalischen Charakter entwickelte.

 
oben

© Copyright Anthony Fox & Eva Fox-Gál, York 2001