Gál
war (und bleibt bis zum heutigen Tag) wohl besser bekannt durch seine
Tätigkeiten als Wissenschaftler und Schriftsteller als durch seine
Musik.
Im Laufe der Jahre verfaßte er eine Anzahl Bücher, die ihm
breite Anerkennung und Erfolg brachten. Was
seinen Büchern ihren besonderen Reiz und Wert verleiht, ist die
Tatsache, daß sie alle aus einer lebenslänglichen Beschäftigung
mit der Musik der Großen und einer tiefen Werkkenntnis stammen,
aber auch aus der persönlichen Perspektive seines inneren Wissens
um die Geheimnisse des Schaffensprozesses. Folglich
sind seine Schriften keine bloßen Darstellungen der 'Tatsachen',
der äußeren Umstände ihres Gegenstands, sondern dringen,
manchmal auf unkonventionelle Weise, tiefer hinein.
Sein erstes
Buch der Nachkriegszeit, The
Golden Age of Vienna (1948), kann vielleicht als Huldigung
seiner Heimat gelten - es ist 'meinen österreichischen Freunden
auf der ganzen Welt' gewidmet. Es ist eher populär als wissenschaftlich,
aber auf charakteristische Weise setzt es die Darstellung der Musik
und Musiker von Gluck bis Schubert in einen breiten historischen und
kulturellen Rahmen und bietet verständnisvolle und originelle Einsichten
in das Leben und die Werke der Komponisten selbst.
In
den frühen 60er Jahren verfaßte Gál Monographien über
Brahms (1961)
und Wagner (1963).
Das sind keine trockenen Bände - Gál haßte das 'Staubschlucken'
der Bibliothekforschung - sondern stammen aus seinen intimen Kenntnissen
der Werke selbst. Als
Freund und enger Kollege von Mandyczewski und mit ihm Herausgeber der
Brahms-Gesamtausgabe, hatte er mit Brahms eine tiefe Verwandschaft,
die ihm ermöglichte, in Werk und Persönlichkeit einzudringen.
Bei Wagner versuchte er einen mittleren Weg zwischen der Größe
seiner Musik und der Ungeheuerlichkeit seiner Ideologie einzuschlagen.
Der große Wert beider Bücher liegt darin, daß sie von
der Perspektive nicht eines bloßen Wissenchaftlers sondern eines
praktizierenden Musikers geschrieben sind. In den 70er Jahren kamen
noch zwei Monographien dazu: über Schubert
(1970) und Verdi
(1975). Eine große Liebe für die Musik Schuberts durchdringt
das erste Werk; im zweiten tragen Gáls eigene Erfahrungen als
erfolgreicher Opernkomponist sicherlich zu seinem Verständnis der
dramatischen und literarischen wie auch der musikalischen Aspekte der
Werke bei.
Über
diese Monographien hinaus veröffentlichte Gál In
Dur und Moll: Briefe großer Komponisten (1965), eine
Ausgabe von Brahmsbriefen (1979) und einen Führer in die Orchesterwerke
Schumanns (1979).