Nach
den fünfziger Jahren verminderte sich die Anzahl der größeren
Orchesterwerke. In den sechziger Jahren schrieb er zwei Sinfonietten
für Mandolinenorchester (Op.81,
Op.86) für seinen
Freund Vinzenz Hladky, der ein Mandolinenorchester an der Wiener Akademie
dirigierte (er hatte schon früher seine Improvisation,
Variationen und Finale über ein Thema von Mozart (Op.
60) und sein Capriccio für
Mandolinenorchester für Hladky geschrieben) und das
Cello-Concertino
(Op.87), und in den Siebzigerjahren kamen noch eine Orchestersuite,
Triptych
(Op.100) und seine vierte Symphonie: Sinfonia
Concertante für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello
und Orchester (Op.105). Aber bezeichnend für seine letzten 25 Jahre
ist vor allem die Konzentration auf Kammermusikwerke für ganz verschiedene
Instrumente und Kombinationen, darunter das Concertino
für Blockflöte und Streichquartett (Op.82), Sonaten
für Klarinette
(Op.84) und Oboe (Op.85),
das Dritte und das Vierte Streichquartett
(Op.95 und Op.99),
drei Duos (Op.90(1),
Op.90(2), Op.90(3)),
Trios (Op.88
und Op.104), das
Streichquintett
(Op.106) und das Klarinettenquintett
(Op.107), beide aus dem Jahre 1977, als der Komponist schon 87
Jahre alt war.
Zu erwähnen
wäre noch Gáls Hauptwerk für Klavier, die 24
Präludien (Op.83), die ihren Ursprung einem vierzehntägigen
Spitalsaufenthalt im Jahre 1960 verdankten, währenddem er jeden
Tag ein Präludium schrieb, "um nicht aus der Übung zu
kommen", wie er es scherzhaft ausdrückte.
"Das unter
so ungewöhnlichen Umständen Begonnene wurde in den folgenden
Monaten fortgesetzt, ausgebaut und umgearbeitet. Mehrere Stücke
wurden dabei durch neue ersetzt, sodaß in der endgültigen
Fassung des ganzen Werkes von den 'Spitalstücken' .. nur noch
wenige enthalten sind. Nach Fertigstellung des Ganzen meinte der Komponist,
daß, wenn Bach das wohltemperierte Klavier seinerzeit geschrieben
habe, um zu zeigen, daß man in allen Tonarten komponieren könne
(was damals keineswegs als selbstverständlich galt), es wohl
an der Zeit sei, zu zeigen, daß man heute noch immer in allen
Tonarten schreiben könne." [Otto Schmidtgen: 'Hans Gál's
neues Klavierwerk', Das Podium 1/2, 1961. Monatliche Mitteilungen
der Mainzer Liedertafel und Damengesangsverein, Mainz]
Über
das Werk sagte Gál selbst:
"Die Präludien
habe ich mir zum siebzigsten Geburtstag geschenkt. Sie sind Studien
in Klavierklang, Klaviertechnik und konzentrierter Miniaturform. Jedes
dieser drei Elemente ist für mich ein Bereich unerschöpflicher
Möglichkeiten, und ich hatte, als ich die Stücke schrieb,
das Gefühl, daß es noch einmal 24 hätten werden können,
ohne mich zu wiederholen, angesichts der unglaublichen Mannigfaltigkeit
dessen, was sich zwischen schwarzen und weißen Tasten abspielen
kann. Alle Präludien sind so knapp, wie es eben möglich
ist, einen Gedanken präzis zu formen". [Zitiert nach Waldstein,
op. cit., S.38]
Ebenfalls
als eigenes Geburtstagsgeschenk - aber diesmal zu seinem neunzigsten
Geburtstag - schrieb Gál 24
Fugen für Klavier (Op.108) und führte sie noch mehrmals
öffentlich auf, sowohl in Großbritannien wie auch in Deutschland.
Im Jahre 1982 schrieb er zwei Werke für Solocello (Op.109a
und Op.109b); im
folgenden Jahr kamen noch Vier
Bagatellen und eine Sonatine
für Blockflöte (Op.110a und b), obwohl er schon seit
Jahren behauptet hatte, daß seine 'Werkstatt geschlossen' sei.
Seine im Alter vorherrschende Zuwendung zur Kammermusik reflektiert
wohl die persönlichere, mehr nach innen gekehrte Situation eines
Komponisten, der nun fern der Öffentlichkeit und in zunehmender
Verseinsamung lebte, und es ist wohl bezeichnend, daß seine allerletzten
Werke alle für Soloinstrumente sind. Dazu käme aber auch eine
stets wachsende Erfahrung und Meisterschaft. Er sagte (mit Bezug auf
sein Duo für
Fagott und Cello ): "Ich war 40, bis ich lernte, für
drei Stimmen - und 60, bis ich lernte für zwei Stimmen zu schreiben"
[zitiert nach Waldstein, op. cit., S.38].