Nach
dem Krieg konnte Gál wieder versuchen, die fast fünfzehn
Jahre lang durch Verbot und Exil unterbrochenen Verbindungen wieder
aufzunehmen, aber die Zeiten hatten sich verändert, und die musikalischen
Werte, die Gáls Musik verkörpert, hatten (zwar nicht beim
Publikum, aber bei den maßgeblichen Instanzen) ihren Kurswert
verloren. In England, wo er vor 1938 kaum bekannt war, mußte er
ohnedies neu anfangen, um auf fremdem Boden überhaupt Fuß
zu fassen, aber er komponierte unbeirrt weiter, ohne Rücksichtnahme
auf äußere Geltung. In Deutschland und in Österreich,
wo sein Ansehen den Krieg gewissermaßen überstanden hatte,
konnte seine Musik wieder aufgeführt werden, wenn auch in viel
beschränkterem Maße als vorher. Seine "dem Andenken
dieser Zeit, ihres Elends und ihrer Opfer" gewidmete Kantate
De Profundis (Op.50),
1948 in Wiesbaden von Otto Schmidtgen uraufgeführt, hatte dort
eine besonders tiefgreifende Wirkung. Werke aus der Kriegszeit wie die
Pickwickier Ouvertüre
(Op.45), die Orchestervariationen über die Melodie Lilliburlero
(Op.48), das Cellokonzert
(Op.67) und die Zweite
Symphonie (Op.53) kamen alle unter Schmidtgen zur deutschen
Erstaufführung.
Viele erst
später veröffentlichte Werke stammen ebenfalls aus diesen
Kriegsjahren: zum Beispiel das Violin-Concertino
(Op.52), die Sonate
für Bratsche und Klavier (Op. 101), die Sonate
für zwei Violinen und Klavier (Op.96) und das Trio
für Oboe, Violine und Bratsche (Op.94), die er als Partnerstück
zur Huyton Suite
schrieb. In der völligen Asynchronie der Opuszahlen wie auch
in der Vielfalt der Verleger sind die Spuren der durch Naziverfolgung,
Krieg und Exil bedingten Wirrnisse deutlich zu lesen.