Die
frühen Kriegsjahre brachten große Sorgen. Der Krieg auf dem
Kontinent ging schlecht und eine Invasion rückte bedrohlich immer
näher. Die
Behörden griffen nach Panikmaßnahmen. Hanna musste das Küstengebiet,
das auch Edinburgh einbezog, verlassen, und Gál wurde interniert.
Ausländer wurden in drei Kategorien geteilt: A (zu internieren),
B (Einschränkungen unterworfen) und C (frei). Aber angesichts der
Niederlage Frankreichs, einer zunehmend ängstlichen Bevölkerung
und der Ermahnung Churchills 'Collar the lot!' ('Die ganze Bande packen!')
wurde Mai 1940 die Internierung erweitert, bis sie Kategorie B und einen
großen Teil von Kategorie C erfasste. Insgesamt wurden etwa 27.000
Ausländer interniert, einschließlich jüdische Flüchtlinge,
ausgerechnet die Gruppe die am meisten Grund hatte, auf der Seite der
Allierten und gegen die Nazis zu sein. Diese Maßnahme hatte natürlich
den Zweck, etwaige gefährliche Feinde zu kontrollieren, aber dass
sie nicht nur echte Nazis sondern auch diejenigen, die vor ihnen flohen,
betraf, und sogar beide ganz unbekümmert
zusammen
einkerkerte, kann nicht nur als unberechtigt sondern auch als eine ernsthafte
Fehleinschätzung betrachtet werden.
Gál,
sowie alle anderen Flüchtlinge aus Edinburgh, wurde im Mai 1940,
am Pfingstsonntag, festgenommen und zunächst in einem leerstehenden
Krankenhaus untergebracht. Nach ein paar unbequemen Tagen wurden sie
in ein Lager in Huyton bei Liverpool versetzt. Einen Monat später
kamen sie nach Douglas auf der Insel Man. Die Gesellschaft enthielt
viele der distinguiertesten Intellektuellen, und es brauchte nicht lange,
bis eine Lageruniversität, mit Vorlesungen, Studiengruppen, usw.,
zustande kam. Einige der Flüchtlinge blühten bei dieser üppigen
intellektuellen Diät auf; auch Gál fand die Gesellschaft
anregend, aber das Erlebnis war wegen der Entbehrungen der Flüchtlinge
und vor allem ihrer völligen Machtlosigkeit der ganzen Situation
gegenüber äußerst qualvoll. Er war auch von Meldungen
über den Verlauf des Kriegs abgeschnitten und hatte wochenlang
keine Nachricht über das Schicksal seines älteren Sohns Franz,
der gleichzeitig mit ihm verhaftet aber dann sofort von ihm getrennt
wurde. Seine Angst wurde durch das Versenken in der Irischen See vom
Flüchtlingsschiff Arandora
Star, das auf dem Weg nach Kanada war, geradezu panisch, denn
es war möglich, daß Franz an Bord war. Im Lager erkrankte
er auch an einem Hautleiden, das so schlimm wurde, dass er etliche Wochen
im Lagerspital verbrachte und schließlich frühzeitig freigelassen
wurde.
Zum
ersten Mal in seinem Leben führte Gál während dieser
Zeit ein Tagebuch, mit dem Titel Musik hinter Stacheldraht: Tagebuchblätter
aus dem Sommer 1940. Darin dokumentiert er das Leben eines Internierten
und seine eigenen Reaktionen, die Unbequemlichkeiten, die Kleinlichkeit
und Inkompetenz der Behörden, die Ängste und Frustration;
aber auch die menschlichen Werte die sich trotz - und vielleicht sogar
wegen - der Entbehrung noch weiter behaupteten. Viele
Edinburgher Freunde waren mit ihm interniert, und er traf auch alte
Freunde und Bekannte dort.
Am Anfang
hatte Gál keinen Appetit für Musik, aber im Laufe der Zeit
kam sein Schaffensdrang wieder. In Huyton komponierte er für Flöte
und zwei Geigen (die einzigen Instrumente, die im Internierungslager
vorhanden waren) seine Huyton
Suite (Op.92). Die Heiterkeit dieses Werks zeugt von der chararakteristischen
Fähigkeit Gáls, den äußeren Umständen zum
Trotz aus inneren Kräften zu schöpfen. Außerdem komponierte
er die Musik für eine Lagerrevue, 'What a Life'. Die Spannungen
und schließlich die Begeisterung beim Inszenieren dieser Revue
bilden einen ständigen und tragi-komischen Hintergrund zum Tagebuch.
Trotz seinem Widerwillen gegen die Internierung blieb er wegen einer
zweiten Aufführung noch einen Tag nach seiner Entlassung im Lager.
Die Vorstellung war ein Riesenerfolg.
Im Herbst
1940 wurde durch die Intervention von liberalen Politikern und Anderen
und angesichts des Versenkens der Arandora Star die Verücktheit
der Internierungpolitik erkannt. Gál konnte im späten September
dieses Jahres als freier Mensch wieder nach Edinburgh zurückkehren.