Von seinen
eigenen Kompositionen und Lehraufträgen abgesehen war Gál
während der späten 20er Jahre Mitarbeiter Mandyczewskis bei
der Gesamtausgabe der Werke von Brahms. Gál war für die
ersten 10 Bände und Mandyczewski für die übrigen 16 verantwortlich.
Die Ausgabe erschien 1926-7 bei Breitkopf und Härtel. Dabei kam
ihm seine enge Freundschaft mit Mandyczewski zugute. Hanna erinnerte
sich:
"Zur Zeit,
da die beiden die Brahmsgesamtausgabe vorbereiteten und Hans ständig
im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde zu tun hatte, das von
Mandyczewski betreut wurde, kamen sie fast täglich zusammen und
Hans, der sonst das Staubschlucken in Archiven hasste, war von der
Klugheit Mandyczewski's, seinem Wissen und dem Reichtum an Erinnerungen
so beglückt, dass diese Zusammenheit ihm doch Freude machte."
[Privatbrief, 10.10.1989.]
Hanna erinnerte
sich auch an einen ziemlich unbequemen Urlaub in Aspang - "kein Gas,
ein schwieriger Küchenherd, und vor allem ein unverlässliches
Kindermädchen":
"Hans entfloh
der häuslichen Misere so oft er konnte und klomm den Berg hinauf
nach Mönichkirchen zu den Mandys . . . Die alten Leute waren
beide leidend und recht unglücklich. Die Besuche von Hans taten
ihnen wohl. Es war die Zeit, in der Mandy und Hans an der Brahmsgesamtausgabe
arbeiteten. Da fehlte es nicht an Gesprächstoff, und das war
gut und nützlich für alle Beteiligten. Ein Jahr später
war Mandy tot." [Privatbrief, Oktober, 1989.]
Eine weitere
wissenschaftliche Arbeit war das Herausgeben von Bänden der Denkmäler
der Tonkunst in Österreich. Gáls Beitrag dazu war die
in den Jahren 1926 und 1928 herausgegebenen Walzer von Johann Strauss
(Vater und Sohn). Er unternahm auch vielerlei andere Bearbeitungen und
Ausgaben, darunter etwa hundert Partituren in der damals von der Universal-Edition
neugegründeten Philharmonia Reihe. Seine ebenfalls für die
Philharmonia Reihe verfasste Anleitung zum Partiturlesen wurde
1923 veröffentlicht.